Das königlich preußische Infanterieregiment Nr. 24 (4. Brandenburgisches)

Das königlich preußische Infanterieregiment Nr. 24 (4. Brandenburgisches)

Die 24er…

„Die Gesinnung unter den Truppen war eine wahrhaft heldenmüthige; wir wären gerne alle für unseren König gestorben; hätten ausgehalten bis auf den letzten Mann. O daß der König, daß nicht gethan hat; (…)
Wie die Hunde sind wir behandelt worden; (…) und wir, lieber Max, wir die wir unsere Pflicht zu erfüllen strebten, unserm Eide getreu bis zum letzten Moment einen Kampf kämpften, der undankbar u[nd]fürchterlich war, als Du Dir denken kannst, wir werden Bluthunde genannt, mit Schimpf u[nd] Schmach u[nd]Spott überladen, unserer Todten gedenkt Niemand u[nd] unsere Uniform ist geächtet, unsere Ehre verloren. Und wodurch? Durch den König, durch einen charackterlosen, elenden König.“
Dies schrieb der einundzwanzigjährige Hermann Seul am 07. April 1848 seinem Freund Karl Maximilian von Boeselager-Heeßen. Seul war als Einjährig-Freiwilliger bei der Garde-Artillerie und somit mitten drin, als am 18. März 1848 die Barrikadenkämpfe in Berlin begannen. Er schilderte in seinem Brief eindringlich, wie es den Truppen in Berlin ergangen war.

Wenn man heute den Namen „Preußen“ hört, dann hat man unwillkürlich einen Gegenstand vor Augen: die Pickelhaube. Zu oft hat man noch ein gewissermaßen heroisiertes Bild von der preußischen Armee vor Augen, transportiert von den Gemälden aus der Kaiserzeit. Doch die Pickelhaube war erst seit sechs Jahren eingeführt, als sie schon traurige Berühmtheit erlangte und zum Symbol reaktionärer Gewalt gegenüber dem eigenen Volk wurde.

Wie die preußischen Soldaten sich fühlten, als man ihnen befahl, auf das eigene Volk zu schießen oder in „Nachbarländer“, wie das Königreich Sachsen oder das Großherzogtum Baden, einzumarschieren, um im Auftrag der Herrscher von Gottes Gnaden die Freiheitskämpfer mit Bajonett und Kartätschen zur Räson zu bringen, können wir heute nicht mehr herausfinden oder nachvollziehen. Aber wie die Soldaten aussahen, wie sich die Ausrüstung trug, aus welchen Materialien die Brotbeutel waren und welche Strapazen ein Marsch mit vollem Gepäck bedeutete, dass können wir heute anhand von detaillierter Quellenforschung recherchieren und in Selbstversuchen ausprobieren.

Mit dem Helm wurden bei der königlich preußischen Armee noch weitere Neuerungen eingeführt, wie der Waffenrock, das virchow’sche Tragesystem, welches den Sitz des Tornisters für den Soldaten erträglicher machen sollte, und natürlich das Zündnadelgewehr.

In unserer Darstellung fokussieren wir uns auf das Jahr der Reichsverfassungskampagne 1849. Momentan sind wir wohl die einzige Gruppe, die das preußische Militär dieses Zeitraumes darstellt. Für die Darstellung haben wir uns das Infanterieregiment No. 24 (4. Brandenburgisches) ausgesucht. Es war auf allen Schauplätzen der Revolution vertreten: 1848 in Berlin, 1849 in Dresden, in Iserlohn und dann auf dem badischen Schauplatz. So können wir für viele Living-History-Displays auch hier eine gewisse Authentizität garantieren.

Die Recherchen gestalten sich oftmals schwierig, da nicht mehr viele Originale, vor allem Kleidungsstücke, dieser Zeit vorhanden und die schriftlichen Quellen manchmal nicht detailliert genug sind. Die Zusammenarbeit mit Museen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Berlin ist daher sehr wichtig für uns. Um ein genaues Bild des preußischen Soldaten zu bekommen, gehört neben der Recherche an Originalen natürlich auch die Auswertung von Regimentsgeschichten, Militärkalenderblättern, Vorschriften, Zeitzeugenberichten etc. dazu. Da sind alle Mitglieder gefordert um möglichst viele Informationen sammeln zu können. Die Reproduktion von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen geschieht in Eigenarbeit oder, wenn die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen und Händler gute Repliken anbieten, dann beziehen wir sie dort. In unregelmäßigen Abständen treffen wir uns auch zu Arbeitswochenenden, an denen wir dann gemeinsam nähen, beraten, auswerten und planen. Jeder trägt etwas zu der Gruppe bei und es wird auch in gewisser Weise von jedem die Mitarbeit erwartet.

Der Schwerpunkt unserer Darstellung liegt auf dem einfachen Soldaten, dem niedrigsten Rang. Wir versuchen so exakt wie möglich das Militärleben der damaligen Zeit darzustellen, heißt also, mit den historisch korrekten Rationen zu kochen, in der vollen Ausrüstung zu marschieren, Wache zu schieben, gedrillt zu werden, kurz: Alles was ein Soldat damals machen musste und tun konnte. Das erfordert natürlich auch eine gewisse Hierarchie. Die richtet sich bei uns nach der Menge der Darsteller auf einer Veranstaltung. Also werden die Gemeinen meist von einem Obergefreiten, manchmal von einem Unteroffizier „geführt“. Dieser ist dann auch für den Tagesablauf verantwortlich und muss das Militär-Reglement beherrschen.

Noch etwas ist uns bei der Darstellung von Soldaten wichtig zu sagen:
Wir sprechen uns ganz klar gegen das Anlegen/Tragen von Orden oder sonstigen Leistungsabzeichen aus.

 

Die Briefauszüge oben enstammen der „Westfälische Quellen im Bild“-Beilage zu „Archivpflege in Westfalen und Lippe“ Nr. 31 1990; Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Westfälisches Archivamt, Münster; Ein Brief des Soldaten Hermann Seul über die Revolution 1848, bearbeitet von Horst Conrad