{"id":891,"date":"2019-08-26T08:30:34","date_gmt":"2019-08-26T08:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=891"},"modified":"2019-08-04T10:30:29","modified_gmt":"2019-08-04T10:30:29","slug":"der-vormaerz-1815-1847","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=891","title":{"rendered":"Der Vorm\u00e4rz 1815-1847"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>1814-15 <br>Der Wiener Kongress<\/strong><br>Der Wiener \nKongress, der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 stattfand, \nordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in den Koalitionskriegen\n Europa neu. Nachdem sich die politische Landkarte des Kontinentes im \nGefolge der Franz\u00f6sischen Revolution erheblich ver\u00e4ndert hatte, legte \nder Kongress wiederum zahlreiche Grenzen neu fest und schuf neue \nStaaten.<br>Unter der Leitung des \u00f6sterreichischen Au\u00dfenministers F\u00fcrst \nvon Metternich berieten politisch bevollm\u00e4chtigte Vertreter aus rund 200\n europ\u00e4ischen Staaten, Herrschaften, K\u00f6rperschaften und St\u00e4dten, \ndarunter alle bedeutenden M\u00e4chte Europas mit Ausnahme des Osmanischen \nReiches. Die f\u00fchrende Rolle spielten Russland, das Vereinigte \nK\u00f6nigreich, \u00d6sterreich und Preu\u00dfen sowie das wiederhergestellte \nK\u00f6nigreich Frankreich und der Vatikan. Die deutschen Fragen wurden \nangesichts ihrer Komplexit\u00e4t und ihres Umfangs getrennt von den \u00fcbrigen \neurop\u00e4ischen Angelegenheiten beraten.<br>Die siegreichen K\u00f6nige und ihre\n f\u00fchrenden Minister trafen sich zun\u00e4chst in London. Im Herbst 1814 \nbegann in Wien der Kongress, zu dem sich Delegationen fast aller Staaten\n und M\u00e4chte Europas einfanden. Von Oktober 1814 bis Juni 1815 wurde Wien\n und vor allem der Tagungsort, das Au\u00dfenministerium (sp\u00e4ter auch die \nStaatskanzlei) im Palais am Ballhausplatz, der Amtssitz von Metternich, \nzum politischen Zentrum des Kontinents. Gastgeber war Kaiser Franz I. \nvon \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gastgeber bem\u00fchten sich, den Aufenthalt der \nKongressteilnehmer m\u00f6glichst angenehm zu gestalten. Die Abfolge \ngeselliger Ereignisse, B\u00e4lle und sonstiger Vergn\u00fcgungen veranlassten \nFeldmarschall Bl\u00fccher zu folgender Charakterisierung der Verhandlungen: \n\u201eDer Kongress gleicht einem Jahrmarkt in einer kleinen Stadt, wo jeder \nsein Vieh hintreibt, es zu verkaufen und zu vertauschen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Der \nWiener Kongress erarbeitete, dies war eine verhandlungstechnische \nNeuheit, seine Ergebnisse in Kommissionen. Es gab unter anderem einen \nAusschuss f\u00fcr die Deutschen, einen f\u00fcr die europ\u00e4ischen Angelegenheiten,\n einen f\u00fcr Gebietsfragen, einen f\u00fcr die Flussschifffahrt und einen f\u00fcr \nden Sklavenhandel. Zu einer formellen Vollversammlung kam es nie. Die \nKongressakte (Acte final) tr\u00e4gt nur die Unterschriften der acht \nHauptm\u00e4chte \u00d6sterreich, Spanien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Portugal, \nPreu\u00dfen, Russland und Schweden (in dieser auf Franz\u00f6sisch alphabetischen\n Reihenfolge). Die Deutsche Bundesakte, deren Allgemeine Bestimmungen \n(Artikel 1 bis 11) in die Kongressakte aufgenommen sind, wurde separat \nvon den Bevollm\u00e4chtigten der deutschen Staaten unterzeichnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\n wichtigste Gegenspieler Metternichs war Zar Alexander I. Daneben \nspielten auch der britische Gesandte Castlereagh und der Vertreter des \nbesiegten Frankreich, Talleyrand, der sowohl unter dem alten wie dem \nneuen franz\u00f6sischen Regime erheblichen Einfluss hatte, die wichtigsten \nRollen. Auch wenn Preu\u00dfen durch Karl August von Hardenberg und Wilhelm \nvon Humboldt prominent vertreten war, spielte die Delegation dieses \nLandes keine besonders starke Rolle. Ein Grund daf\u00fcr war, dass deren \nLinie durch das pers\u00f6nliche Eingreifen von K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III. \nbeeintr\u00e4chtigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtet man den Blick vom Ballsaal weg auf \ndie eigentlichen Verhandlungen, bleibt vom \u00e4u\u00dferen Bild der Harmonie \nnicht mehr viel \u00fcbrig. Tats\u00e4chlich versch\u00e4rften sich die \nInteressengegens\u00e4tze im Verlauf des Kongresses noch deutlich.<br>In \ndiesen Zusammenhang geh\u00f6rt auch der Grundsatz der Restauration der \nvorrevolution\u00e4ren politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Die \nRestauration sollte zwar nicht so weit gehen, dass alle seit 1789 \neingetretenen Ver\u00e4nderungen wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden sollten, \nsehr wohl sollte aber allen zuk\u00fcnftigen revolution\u00e4ren Bestrebungen ein \nRiegel vorgeschoben werden. Dazu z\u00e4hlten nicht nur die freiheitlichen, \nsondern auch die nationalen Bewegungen der Zeit.<br>Zur Sicherung und \nDurchsetzung dieses Ziels setzten die Delegationen einerseits auf eine \nstarke monarchische Autorit\u00e4t nach innen und andererseits auf die \nzwischenstaatliche Solidarit\u00e4t der L\u00e4nder nach au\u00dfen. Einig war man sich\n in der Schaffung eines europ\u00e4ischen Gleichgewichtssystems zur \nVerhinderung zuk\u00fcnftiger Kriege.<br>In Bezug auf die Entwicklung in \nDeutschland gab es folgende Bestrebungen, politische Einigung auf dem \nKongress zu erlangen. Zum Schutz seiner Gro\u00dfmachtstellung bek\u00e4mpfte die \nfranz\u00f6sische Delegation auch die Einigungsbestrebungen in Deutschland. \nPreu\u00dfen dagegen wollte eine St\u00e4rkung der eigenen Position durch den \nErwerb ganz Sachsens und eine preu\u00dfisch-\u00f6sterreichische Hegemonie in \nDeutschland erreichen. Dem entgegen standen allerdings die Interessen \nder kleineren deutschen Staaten und \u00d6sterreichs.<\/p>\n\n\n\n<p>Preu\u00dfen erhielt \nentgegen den urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4nen und Erwartungen nicht ganz Sachsen, \nsondern nur den n\u00f6rdlichen Teil, der zum Teil der neuen Provinz Sachsen \nzugeschlagen wurde. Daf\u00fcr erzielte es im Westen erhebliche \nGebietszuw\u00e4chse und konnte die Rheinprovinz sowie die Provinz Westfalen \nerrichten (welche zum Teil schon seit dem 17ten Jhd. preu\u00dfisch war). Im \nOsten kamen Posen und die Stadt Danzig hinzu, daf\u00fcr musste Preu\u00dfen \nendg\u00fcltig auf die schon 1807 verlorenen Erwerbungen aus der dritten und \nzum Teil auch aus der zweiten Polnischen Teilung verzichten. An Bayern \ngab es Ansbach und Bayreuth, an das K\u00f6nigreich Hannover Ostfriesland, \nHildesheim, Goslar und den gr\u00f6\u00dferen Teil des Untereichsfelds ab und \nerhielt daf\u00fcr Schwedisch-Pommern mit R\u00fcgen von D\u00e4nemark im Tausch gegen \ndas Herzogtum Lauenburg. Mit dem Erwerb der rheinischen Gebiete wurde \nPreu\u00dfen zum Schutzwall gegen Frankreich, das noch immer die Rheingrenze \nanstrebte, was auch f\u00fcr die linksrheinische Pfalz und Rheinhessen von \ngr\u00f6\u00dfter sicherheitspolitischer Bedeutung war. Durch die Teilung seines \nStaatsgebietes war Preu\u00dfen gezwungen, in Deutschland hineinzuwachsen, \nund wurde so zum Motor der wirtschaftlichen und politischen Einigung. <\/p>\n\n\n\n<p>Bayern,\n dem mit dem Vertrag von Ried gerade noch rechtzeitig der Absprung vom \nB\u00fcndnis mit Napoleon gelungen war, gewann zwar im Tausch gegen Tirol den\n gr\u00f6\u00dften Teil Frankens sowie die nach schwierigen Verhandlungen \nneugeschaffene linksrheinische Pfalz mit Teilen der alten Pfalz hinzu, \nkonnte seine territorialen Ambitionen aber nicht ganz verwirklichen. Das\n K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg, die Gro\u00dfherzogt\u00fcmer Baden und Hessen sowie das \nHerzogtum Nassau konnten ihren Territorialbestand aus der Rheinbundzeit \nbehaupten, es fanden bis 1825 nur kleine Grenzkorrekturen statt.<br>Als \nsouver\u00e4ne Staaten wiedererrichtet wurden das in Personalunion mit dem \nVereinigten K\u00f6nigreich verbundene ehemalige Kurf\u00fcrstentum \nBraunschweig-L\u00fcneburg (nun zum K\u00f6nigreich Hannover erhoben), \nBraunschweig, Oldenburg, Hessen-Kassel, Hessen-Homburg und die freien \nSt\u00e4dte L\u00fcbeck, Frankfurt, Bremen und Hamburg. Auf der Verliererseite des\n Kongresses stand das K\u00f6nigreich Sachsen. Gleichsam als Strafe f\u00fcr sein \nzu sp\u00e4tes Abr\u00fccken vom B\u00fcndnis mit Frankreich \u2013 in der V\u00f6lkerschlacht \nbei Leipzig hatte es noch auf der Seite Napoleons gek\u00e4mpft \u2013 verlor das \nK\u00f6nigreich fast zwei Drittel seines Territoriums und 40 % seiner \nEinwohner in den n\u00f6rdlichen und \u00f6stlichen Gebieten sowie in Th\u00fcringen an\n Preu\u00dfen, das aber einen Teil dieser th\u00fcringischen Gebiete dann an das \nGro\u00dfherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach abtrat.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1814-15 Der Wiener KongressDer Wiener Kongress, der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 stattfand, ordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in den Koalitionskriegen Europa neu. 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