{"id":897,"date":"2019-09-16T08:30:14","date_gmt":"2019-09-16T08:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=897"},"modified":"2019-08-04T11:17:22","modified_gmt":"2019-08-04T11:17:22","slug":"1819","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=897","title":{"rendered":"1819 Der Mord an Kotzebue"},"content":{"rendered":"\n<p><br>In seinem Literarischen  Wochenblatt, das er in Weimar \u2013 dank der dort existierenden  Pressefreiheit \u2013 ver\u00f6ffentlichen konnte, griff der Autor und Verleger  August von Kotzebue die deutschen Universit\u00e4ten und vornehmlich die  Burschenschaften und Turnerb\u00fcnde als Brutst\u00e4tten der Revolution, sowie  den politischen Liberalismus an, dessen Ziele Demokratie und  Pressefreiheit waren. Er verspottete zudem auch den von den Studenten  verehrten Turnvater Jahn und verh\u00f6hnte die Ideale der deutschen  Nationalbewegung. Auf dem Wartburgfest 1817 wurde im Zuge der dort  zelebrierten B\u00fccherverbrennung seine \u201eGeschichte des deutschen Reichs\u201c  ins Feuer geworfen, worauf er nach Mannheim umzog. Der Jenaer  Burschenschaftler und Theologiestudent Karl Ludwig Sand folgte ihm nach  Mannheim und erstach ihn am 23. M\u00e4rz 1819 mit den Worten: \u201e(\u2026) hier, Du  Verr\u00e4ter des Vaterlandes\u201c in Kotzebues Haus. Im Mai 1820 wurde Sand  wegen des Mordes hingerichtet. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Hep-Hep-Unruhen<\/strong><br>Die\n Hep-Hep-Unruhen oder Hepp-Hepp-Krawalle von 1819 waren eine Welle \ngewaltt\u00e4tiger Ausschreitungen ab dem 2.August 1819 gegen Juden in vielen\n St\u00e4dten des Deutschen Bundes, darunter Prag, Graz und Wien, sowie in \nAmsterdam, Kopenhagen, Helsinki, Krakau und kleineren Orten in \nRussisch-Polen. <br>Sie gingen von Handwerkern, H\u00e4ndlern und Studenten \naus, die sich teils spontan, teils verabredet zu antij\u00fcdischen \nDemonstrationen versammelten, j\u00fcdische B\u00fcrger beschimpften, bedrohten, \nmisshandelten, ihre Synagogen, Gesch\u00e4fte und Wohnungen angriffen und \nteilweise auch zerst\u00f6rten.<br>Die Angriffe verbreiteten sich \n\u00fcberregional und dauerten Monate an. Sie richteten sich gegen die \nj\u00fcdische Emanzipation, die seit der Franz\u00f6sischen Revolution 1789 auch \neinige deutsche Gebiete erreicht hatte. Damit waren Juden zu \ngleichberechtigten Konkurrenten von Christen geworden, die vielfach \nehemals privilegierte Zunft-Mitglieder waren. Die Beh\u00f6rden mussten \ngr\u00f6\u00dftenteils Milit\u00e4r zu Hilfe rufen um den Aufst\u00e4nden Einhalt zu \ngebieten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Karlsbader Beschl\u00fcsse<\/strong><br>Die \nKarlsbader Beschl\u00fcsse waren das Resultat der Karlsbader \nMinisterialkonferenzen vom 6. bis zum 31. August 1819, an welchen die \neinflussreichsten Staaten im Deutschen Bund teilnahmen. Die Konferenzen \nberieten \u00fcber Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung und Bek\u00e4mpfung liberaler und \nnationaler Tendenzen im postnapoleonischen Deutschland. Karlsbad geh\u00f6rte\n zum Habsburgerreich und war als Kurort gut geeignet, das geheime \nTreffen als eher zuf\u00e4llige private Zusammenkunft von Diplomaten und \nMinistern darzustellen und so vor den Augen der \u00d6ffentlichkeit zu \nverbergen. Die Beschl\u00fcsse entstanden unter der F\u00fchrung des \n\u00f6sterreichischen Au\u00dfenministers und sp\u00e4teren Staatskanzlers Metternich. <br>Anlass\n f\u00fcr die Karlsbader Beschl\u00fcsse war die damals an verschiedenen deutschen\n H\u00f6fen vorherrschende Revolutionsangst. Ausl\u00f6ser und Rechtfertigung f\u00fcr \ndie Karlsbader Beschl\u00fcsse war die Ermordung des Schriftstellers und \nrussischen Generalkonsuls August von Kotzebue. Unmittelbarer Ausl\u00f6ser \nwaren jedoch die Hep-Hep-Unruhen vom 2. August 1819.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \nKarlsbader Beschl\u00fcsse wurden am 20. September 1819 vom Bundestag in \nFrankfurt in einem nach Thomas Nipperdey \u201emehr als fragw\u00fcrdigen \nEilverfahren\u201c einstimmig best\u00e4tigt, obwohl sie tief in die Rechte der \nEinzelstaaten des Deutschen Bundes eingriffen. Mit vier Gesetzen, der \nExekutionsordnung, dem Universit\u00e4tsgesetz, dem Pre\u00dfgesetz und dem \nUntersuchungsgesetz, bewirkten sie das Verbot der \u00f6ffentlichen \nschriftlichen Meinungsfreiheit und der Burschenschaften, die \u00dcberwachung\n der Universit\u00e4ten, die Schlie\u00dfung der Turnpl\u00e4tze (Turnsperre von 1820 \nbis 1842), die Zensur der Presse und Entlassung und Berufsverbot f\u00fcr \nliberal und national gesinnte Professoren, die ihre Einstellung ihren \nSch\u00fclern vermittelten.<br>Insbesondere das Pre\u00dfgesetz ver- oder \nbehinderte die Verbreitung von Konzepten, Ideen und Gedanken, die damals\n aufr\u00fchrerisch waren. Die zentrale Reglementierung sah vor, dass alle \nVer\u00f6ffentlichungen unter 20 Bogen, d. h. 320 Seiten einer Vorzensur \nunterlagen; umfangreichere Schriften mussten sich einer Nachzensur \nunterziehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Karlsbader Beschl\u00fcsse griffen nicht nur in die \nRechte der Gliedstaaten ein, sondern auch in die unabh\u00e4ngige Akademische\n Gerichtsbarkeit (mit universit\u00e4tsinternem Gericht, Syndikus, Aktuar und\n Gerichtsdiener sowie Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Stuben- und Stadtarrest und \nKriminalsachen), die teilweise \u00fcber Jahrhunderte bestanden hatte. Ein \nwichtiges Instrument f\u00fcr die Umsetzung der Karlsbader Beschl\u00fcsse f\u00fcr \ndiesen und andere Bereiche war die Mainzer \nZentraluntersuchungskommission.<br>Eine wesentliche Qualit\u00e4t der \nBeschl\u00fcsse besteht darin, dass der reaktion\u00e4re Deutsche Bund liberale \nund nationale Ideen als \u201eVolksverhetzung\u201c begriff und die Tr\u00e4ger dieser \nIdeen als Demagogen verfolgte. Diese Demagogenverfolgung fand besonders \nintensiv im K\u00f6nigreich Preu\u00dfen statt. Betroffen durch Verfolgung und \nInhaftierung waren z. B. Ernst Moritz Arndt, Karl Marx, Heinrich \nHoffmann von Fallersleben, Hans Ferdinand Ma\u00dfmann, Franz Lieber, \nChristian Sartorius, Georg B\u00fcchner, Fritz Reuter, Friedrich Ludwig Jahn,\n Karl Theodor Welcker und Friedrich Gottlieb Welcker.<br>In der Folge \ndes Hambacher Festes wurde die Demagogenverfolgung 1832 noch einmal \nerneuert. Erst mit der M\u00e4rzrevolution 1848 wurden die Karlsbader \nBeschl\u00fcsse vom Deutschen Bundestag am 2. April 1848 wieder abgeschafft.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Literarischen Wochenblatt, das er in Weimar \u2013 dank der dort existierenden Pressefreiheit \u2013 ver\u00f6ffentlichen konnte, griff der Autor und Verleger August von Kotzebue die deutschen Universit\u00e4ten und vornehmlich die Burschenschaften und Turnerb\u00fcnde als Brutst\u00e4tten der Revolution, sowie den politischen Liberalismus an, dessen Ziele Demokratie und Pressefreiheit waren. 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