{"id":901,"date":"2019-09-30T08:30:45","date_gmt":"2019-09-30T08:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=901"},"modified":"2019-10-07T07:36:29","modified_gmt":"2019-10-07T07:36:29","slug":"1823-die-drohbriefaffaire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=901","title":{"rendered":"1823 Die Drohbriefaffaire"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Hintergrund der Aff\u00e4re  war zum Einen das autokratische Regime des Kurf\u00fcrsten Wilhelm II. von  Hessen-Kassel und seine Angst vor den damit ausgel\u00f6sten Reaktionen in  seinem Umfeld und bei seinen Untertanen. Zum Anderen hatte der Deutsche  Bund die Karlsbader Beschl\u00fcsse verabschiedet, die genau diese rigorose  polizeistaatliche Politik erm\u00f6glichten.<br>Hinzu traten besondere  Ereignisse in Kurhessen: Schon Anfang 1822 war es zu einem nie  aufgekl\u00e4rten, pl\u00f6tzlichen Tod eines Lakaien des Kurprinzen Friedrich  Wilhelm gekommen, den der Kurf\u00fcrst als einen fehlgeschlagenen  Giftmordanschlag auf seinen Sohn wertete.<br>Wenige Tage vor dem Beginn  der Drohbriefaff\u00e4re hatte der Kurf\u00fcrst den potentesten Oppositionszirkel  in seinem Staat, den Sch\u00f6nfelder Kreis um seine Frau, Kurf\u00fcrstin  Auguste, von der er sich getrennt hatte, aufgel\u00f6st. Gleich anschlie\u00dfend  begab er sich nach Nenndorf zur Erholung. Die politische Atmosph\u00e4re im  Kurstaat war durch die vorangegangenen Ereignisse hoch gespannt.<\/p>\n\n\n\n<p>In\n Nenndorf erreichte ihn ein anonymer Brief, der ihn mit dem Tod \nbedrohte, falls er nicht drei ultimativ gestellte Forderungen erf\u00fclle: \ndie Gew\u00e4hrung einer Verfassung, den Ausschluss seiner M\u00e4tresse von allem\n Einfluss auf die Regierungsgesch\u00e4fte sowie das Unterlassen der \npers\u00f6nlichen k\u00f6rperlichen Z\u00fcchtigung von Untergebenen.<br>Als Absender \nnennt das Schreiben \u201eHundert J\u00fcnglinge eines Sinnes und eines \nHerzens,die sich auf Leben und Tod vereinigt haben zu Deinem Untergange,\n zur Befreiung ihrer leidenden Br\u00fcder von deiner Tiraney\u201c. Das Schreiben\n passte so exakt in das Feindbild des reaktion\u00e4r gesinnten Landesherren,\n da sich der Absender als geheimb\u00fcndlerisch oder aus dem Kreis der \nBurschenschaften kommend darstellte. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Kurf\u00fcrst setzte sofort \neine Untersuchungskommission ein, die eng mit der Mainzer \nZentraluntersuchungskommission zusammenarbeitete. Die Ermittlungen \nrichteten sich gegen<br>die Mitglieder des aufgel\u00f6sten Sch\u00f6nfelder \nKreises, einem sogenannten Illuminatenorden und andere unliebsame \nUntertanen. Es erfolgten mehrere Verhaftungen. Der wahre Absender konnte\n jedoch nie ermittelt werden.<br>Die Drohbriefaff\u00e4re stellt die \nbesondere kurhessische Auspr\u00e4gung der Verfolgungswelle gegen \noppositionelle Kr\u00e4fte dar, die in der Folge der Karlsbader Beschl\u00fcsse \nausgel\u00f6st wurde. In Kurhessen kam als besonders pikante Note in diesem \nKonflikt die M\u00e4tresse des Landesherren hinzu, ein Problem, das Wilhelm \nII. acht Jahre sp\u00e4ter zu seiner De-facto-Abdankung zwang. Die \nDrohbriefaff\u00e4re hat die politischen Spannungen in Kurhessen merklich \nerh\u00f6ht und erheblich zu dem Konfliktpotential beigetragen, das dann 1830\n zu einer besonders heftigen Reaktion in der Revolution f\u00fchrte, die zu \neiner den Landesherren \u2013 f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse \u2013 besonders \nbeschr\u00e4nkenden Verfassung f\u00fchrte.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrund der Aff\u00e4re war zum Einen das autokratische Regime des Kurf\u00fcrsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel und seine Angst vor den damit ausgel\u00f6sten Reaktionen in seinem Umfeld und bei seinen Untertanen. 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