{"id":903,"date":"2019-10-07T10:37:54","date_gmt":"2019-10-07T10:37:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=903"},"modified":"2019-08-04T11:17:03","modified_gmt":"2019-08-04T11:17:03","slug":"1830-die-folgen-der-franzoesischen-julirevolution-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=903","title":{"rendered":"1830  Die Folgen der franz\u00f6sischen Julirevolution in Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Als  in Frankreich 1830 die Revolution gegen Karl X. ausbrach wurde dar\u00fcber  auch in den L\u00e4ndern des Deutschen Bundes berichtet. Die Karlsbader  Beschl\u00fcsse hatten die Verleger und Herausgeber fest im Blick. Niemand  sollte in Deutschland zu einer Revolution aufrufen, niemand den Funken  aus Frankreich \u00fcber den Rhein tragen.<br>Die Lebensbedingungen der  Menschen befanden sich damals im Wandel. Die industrielle Revolution  schritt voran. Es gab gro\u00dfe soziale Probleme. Berufe wurden wegen der  Maschinen \u00fcberfl\u00fcssig, man ben\u00f6tigte billige Arbeiter in den Fabriken.  Die geleistete Arbeit wurde nicht gerecht entlohnt. Miete und  Lebensmittel waren teuer. Zwischen Arm und Reich klaffte eine gro\u00dfe  L\u00fccke. Aber war man in Deutschland schon bereit f\u00fcr eine Revolution wie  es sie 1789 in Frankreich gegeben hatte? Bei den folgenden Revolten  handelte es sich nicht um geplante Revolutionen. Obwohl man einige  Vorf\u00e4lle heute so nennt, so handelte es sich um spontane, aus einer  Situation heraus entstandene Unruhen, die manchmal noch nicht einmal ein  revolution\u00e4res Ziel verfolgten. Andere Unruhen sorgten aber auch daf\u00fcr,  dass sich Anf\u00fchrer fanden, die den Aufstand lenken und  instrumentalisieren wollten. Dennoch f\u00e4llt es schwer, von Revolutionen  zu sprechen. Zudem ist es fraglich, ob man sie wirklich in einen Kontext  mit der Revolution in Frankreich bringen kann, oder ob sie rein  zuf\u00e4llig alle in das Jahr 1830 fielen. Waren die Aufst\u00e4nde von 1830  wirklich schon Vorboten f\u00fcr das, was achtzehn Jahre sp\u00e4ter in ganz  Deutschland zu Tage treten sollte? In gewisser Weise kann man diese  Frage mit Ja beantworten, denn auch die revolution\u00e4ren Ereignisse in  Hessen deuteten den Weg der Deutschen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Aachener Arbeiteraufstand<\/strong><br>Am\n Mittag des 30. August kam es in Aachen zu einer Versammlung von \naufgebrachten Fabrikarbeitern. Ausl\u00f6ser war der Lohnabzug f\u00fcr einen \nScherer namens Jacobi, welchem ein Zehntel seines Wochenlohnes abgezogen\n werden sollte, weil er angeblich Tuch besch\u00e4digt haben sollte. Die \nArbeiterschaft empfand diese Sanktion als ungerechtfertigt und \nbeschloss, zu der Fabrik der Geschwister Nellesen zu marschieren, bei \nder Jacobi arbeitete, um den Lohn f\u00fcr ihn einzufordern. Hinzu kamen \nStimmen, die generell einen h\u00f6heren Lohn forderten und jene, die wegen \nder Maschinen um ihre Arbeit f\u00fcrchteten und deren Zerst\u00f6rung forderten. \nAlle gemeinsam schlossen sich dem Zug der Arbeiter an und der \nDemonstrationszug bewegte sich durch die Aachener Stra\u00dfen auf die \nbesagte Fabrik zu. Schaulustige vergr\u00f6\u00dferten die Menge noch.<br>Vor den \nToren forderte man dann rufend die Auszahlung des gesamten Lohnes f\u00fcr \nJacobi. Einige Arbeiter versuchten auch in die Fabrik einzudringen. \nLoyale Arbeiter verhinderten dies jedoch und \u201everteidigten\u201c die \nFabriktore und Mauern. Herbeieilende Gendarmen versuchten die Menge \naufzul\u00f6sen. Zwar wich die Menge zur\u00fcck, doch es flogen erste Steine \ngegen die Uniformierten, die mit gezogenen S\u00e4beln die Aufst\u00e4ndischen \nverfolgten, welche sich in die Innenstadt bewegten, vor das Haus des \nIndustriellen und sehr wohlhabenden James Cockerill. Da er f\u00fcr die \nEinf\u00fchrung der Maschinen verantwortlich gemacht wurde, st\u00fcrzten sich die\n Arbeiter in ihrer Wut auf sein Haus, pl\u00fcnderten und verw\u00fcsteten es. Den\n Gendarmen entglitt nun die Kontrolle und der Mob regierte die Stra\u00dfen \nder Stadt. Aufgebrachte versuchten das Zuchthaus zu st\u00fcrmen, wo viele \nMenschen wegen illegalen Schlagens von Holz, Diebst\u00e4hlen aus \nGem\u00fcseg\u00e4rten und \u00e4hnlichen \u201eArme-Leute-Vergehen\u201c einsa\u00dfen.<br>Werkzeuge \nzum Sturm wollte sich die Menge aus einer kleinen Fabrik in der N\u00e4he \nbesorgen, jedoch scheiterte man auch hier an loyalen Besch\u00e4ftigten.<br>Aachen\n hatte keine Garnison und die n\u00e4chste war zu weit entfernt um schnelle \nAbhilfe zu schaffen. Gendarmen gab es zu dieser Zeit recht wenige, \nsodass die Stadtadministration zu anderen Mitteln greifen musste. Es \nwurde eine B\u00fcrgerwehr gebildet und mit Musketen bewaffnet. <br>Im \nGegensatz zu den Arbeitern, Handwerkern und Tagel\u00f6hnern galten die \nB\u00fcrger w\u00e4hrend der ganzen Zeit, bis einschlie\u00dflich 1849 oftmals als \nGaranten f\u00fcr Sicherheit und Ordnung, denn sie waren stets darum bem\u00fcht \nihren Besitz und Wohlstand zu bewahren. Ein aufgebrachter, pl\u00fcndernder \nMob gef\u00e4hrdete dies. Zudem waren sie unempf\u00e4nglicher f\u00fcr die \nMotivationen der Handwerker und Arbeiter, die Ver\u00e4nderungen mit \nWaffengewalt herbeif\u00fchren zu wollen. Die B\u00fcrgerwehren standen 1848 oft \ngenug mit dem Milit\u00e4r gegen die Aufst\u00e4ndischen Gewehr bei Fu\u00df oder \nblieben ein unzuverl\u00e4ssiger Partner der Revolution\u00e4re. <br>In Aachen \nhatten die Aufr\u00fchrer im Laufe ihrer Pl\u00fcnderungen von Privath\u00e4usern \neinige Schusswaffen nebst Munition erbeutet, jedoch kam es zu keiner \ngr\u00f6\u00dferen Schie\u00dferei. B\u00fcrgerwehr und Gendarmen sorgten nach mehreren \nStunden wieder f\u00fcr Ruhe und Ordnung. Einige Aufr\u00fchrer wurden denunziert \nund verhaftet. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Braunschweiger Schlosssturm<\/strong><br>Am\n 7. September brach ein revolution\u00e4rer Aufstand in Braunschweig aus. Der\n regierende Herzog Karl II., wegen seines Reichtums auch \n\u201eDiamantenherzog\u201c genannt, hatte den Zorn der Arbeiter, Bauern und \nB\u00fcrger der Stadt Braunschweig und des Umlandes auf sich gezogen. W\u00e4hrend\n er in Saus und Braus lebte, verschlechterten sich die Lebensbedingungen\n seiner Untertanen zusehends. Im Zuge der Ereignisse in Frankreich \nrebellierten die Braunschweiger nun offen gegen den Herzog. Eine \naufgebrachte Menge zog zum Schloss um dort zu demonstrieren, jedoch \nschlug die Stimmung wegen der Missachtung durch den Herzog schnell in \nGewalt um. Die Soldaten vor und auf dem Schlossgel\u00e4nde fraternisierten \nnicht mit dem Mob, griffen jedoch auch nicht ein als dieser die Z\u00e4une \nund Tore zerschlug, um ins Schloss einzudringen. Im Schloss brach \nsp\u00e4ter, w\u00e4hrend der Pl\u00fcnderung, ein Feuer aus. Ob mutwillig gelegt oder \naus Unachtsamkeit ist nicht bekannt, jedoch brannten gro\u00dfe Teile des \nSchlosses bis auf die Grundmauern nieder. Der Herzog floh noch in \nderselben Nacht aus der Stadt. Sein beliebterer Bruder Wilhelm, der \nsp\u00e4ter auch vom Bundestag in Frankfurt am Main als legitimer Herrscher \nBraunschweigs anerkannt wurde, folgte ihm auf Bitten der Stadtverwaltung\n an die Spitze der Regierung. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Berliner Schneiderrevolution<\/strong><br>Wenige\n Tage nach dem Braunschweiger Schlosssturm erreichten die Unruhen auch \ndie Hauptstadt Preu\u00dfens, jedoch hatten sie hier weniger die \nLebensumst\u00e4nde zur Ursache, als mehr das Verhalten der Staatsorgane \ngegen\u00fcber dem Volk. Am 14. September \u00e4u\u00dferte sich ein Schneidergeselle \nin Berlin \u00f6ffentlich pro-revolution\u00e4r und wurde von der Polizei daf\u00fcr, \nohne triftigen Grund, verhaftet. Sp\u00e4ter folgten weitere Verhaftungen von\n Schneidergesellen, ebenfalls aus nichtigen Gr\u00fcnden. Anschlie\u00dfend \nversammelten sich mehrere tausend Zunftbr\u00fcder und andere sich \nsolidarisierende Handwerksgesellen. Sie zogen vor die K\u00f6llnische \nPolizeiwache um die Freilassung der Verhafteten zu fordern. Die Polizei \nreagierte mit der Verhaftung von Demonstranten, haupts\u00e4chlich \nHandwerkern.<br>Drei Tage sp\u00e4ter versammelten sich wieder Massen, \ndiesmal auf dem Platz des Berliner Stadtschlosses. Zum einen waren es \naufgebrachte Handwerker, zum anderen aber auch Schaulustige. Aus der \nMenge heraus bewarfen Aufgebrachte die als Schlosswache aufgezogenen \nGrenadiere mit Steinen und es kam zu einem Handgemenge mit den Soldaten,\n als pl\u00f6tzlich aus Seitenstra\u00dfen Dragoner und Ulanen in die Menge \nritten. Mit den S\u00e4beln schlugen sie auf die auseinanderstr\u00f6mende \nMenschenmasse ein. Mehr als 70 Festnahmen gab es an diesem Tag. Die \nPolizeistreifen in der Nacht wurden durch Milit\u00e4rpatrouillen \nunterst\u00fctzt.<br>Das brutale Vorgehen der Soldaten, auch gegen \nunbeteiligte B\u00fcrger, zerbrach das Vertrauen zwischen den Berlinern aller\n St\u00e4nde und K\u00f6nig Friedrich Wilhelm III., obwohl bezweifelt werden darf,\n dass dieser \u00fcber die genauen Umst\u00e4nde und Ursachen f\u00fcr den Aufstand \nunterrichtet wurde. <br>Jedenfalls forderte nun auch das B\u00fcrgertum eine \nRevolution, jedoch eher gegen die herrschenden Minister als gegen den \nK\u00f6nig. Erstere wurden daf\u00fcr verantwortlich gemacht, dass die Verfassung,\n die der K\u00f6nig im Zuge der Befreiungskriege versprochen hatte, nicht \neingef\u00fchrt worden war. Es wurde der Ruf nach einer konstitutionellen \nMonarchie laut und einer verfassungsrechtlichen Regierung. <br>Von \nSeiten der Beh\u00f6rden rief man in \u00f6ffentlichen Anschl\u00e4gen zu Ruhe und \nOrdnung auf. Doch durch die vorangegangenen Angriffe des Milit\u00e4rs waren \ndie Menschen aufgebracht und so kam es am 19. September erneut zu einer \nAuseinandersetzung. Ein Demonstrationszug bewegte sich durch die Stadt, \nes kam zu Gewalt gegen Gesch\u00e4fte und H\u00e4user, sodass die Gendarmen das \nMilit\u00e4r um Hilfe baten. Kavallerie preschte in die Menschenmenge und \nritt r\u00fccksichtlos nieder was ihr in den Weg kam. Infanteristen \nmarschierten hinterher und ergriffen jeden am Boden liegenden \n\u201eAufr\u00fchrer\u201c. Es kam sp\u00e4ter zu 200 Urteilen, von Schl\u00e4gen bis hin zu \nmehreren Tagen Arrest. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die M\u00fcnchener Weihnachtsunruhen<\/strong><br>Ende\n des Jahres 1830, am Heiligen Abend in M\u00fcnchen, zogen Studenten mit \n\u201eKatzenmusik\u201c von der Neuhauser Stra\u00dfe zum Karlstor. Viele der Studenten\n waren Mitglieder der Burschenschaft Germania. Warum sie dies taten kann\n nicht eindeutig gekl\u00e4rt werden. Man vermutet sowohl politische \nHintergr\u00fcnde wie auch einen einfachen Studentenstreich. Bei vielen \nB\u00fcrgern sorgte diese Katzenmusik jedoch f\u00fcr Unmut. Herbeigeeilte \nGendarmen verhafteten aus der Menge der Studenten mehrere vermutliche \nWortf\u00fchrer, die sich zudem geweigert hatten sich \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen. \nDie Verhaftungen wiederum riefen einen Auflauf von Studenten vor der \nPolizeiwache nach sich. Laut skandierte man f\u00fcr die Freilassung der \nverhafteten Kommilitone. &nbsp;Als die Gendarmen nicht reagierten, begannen \ndie erbosten Studenten Scheiben einzuschlagen und forderten in den \numliegenden Gaststuben die Menschen auf, sich ihnen anzuschlie\u00dfen und \ndie Freunde gewaltsam zu befreien. <br>Den Gendarmen wurden daraufhin \nMusketen ausgeh\u00e4ndigt und ein Bote zur Kaserne am Heumarkt gesandt, mit \nder Bitte um Unterst\u00fctzung durch die dort stationierten K\u00fcrassiere. \nZusammen mit dem Stadtkommandanten schaffte es der Polizeidirektor \npers\u00f6nlich, die Situation zu deeskalieren und er lie\u00df schlie\u00dflich auch \ndie Gefangenen frei. Die Studenten zogen ruhig in ihre Unterk\u00fcnfte ab.<br>Eine\n Milit\u00e4rpatrouille kam zuf\u00e4llig in der Nacht des 26. Dezember auf den \n27. zum Schauplatz einer Schl\u00e4gerei zwischen &nbsp;Studenten und \nHandwerksburschen. Insgesamt soll es sich um mehr als drei\u00dfig junge \nM\u00e4nner gehandelt haben. Obwohl solche \u201eKnoten\u201c in der damaligen Zeit \nnicht ungew\u00f6hnlich waren, versuchten die Soldaten, die M\u00e4nner \nauseinander zu bringen. Jetzt wandten sich aber die Streiter pl\u00f6tzlich \ngegen die Soldaten, welche sich zum Schrannenplatz zur\u00fcckzogen, wo die \nHauptwache des Milit\u00e4rs stand. Mittlerweile waren die Studenten, wie \nauch die Handwerker von Gleichgesinnten verst\u00e4rkt worden und \nSchaulustige hatten sich eingefunden. Gendarmen kamen hinzu um die \nSoldaten zu unterst\u00fctzen. Die Situation geriet au\u00dfer Kontrolle als \nalarmierte schwere Kavallerie vom Heumarkt her erschien und gemeinsam \nmit der Infanterie gegen die Menge vorging. Es gab zahlreiche Verwundete\n und viele Verhaftungen.<br>In Folge der Tumulte wurden am 27. Dezember \ndie milit\u00e4rischen Wachen in M\u00fcnchen verst\u00e4rkt. Wie auch in Berlin gab es\n aus der Bev\u00f6lkerung massive Kritik gegen die \u00fcberzogene Gewalt des \nMilit\u00e4rs, welche jedoch ungeh\u00f6rt verklang. <br>In der darauffolgenden \nNacht (27.\/28.) versammelten sich erneut mehrere hundert Studenten vor \nder Hauptwache, in der sich die verst\u00e4rkte Wachmannschaft von etwa 40 \nSoldaten verschanzte. Der Wachthabende lie\u00df Generalmarsch schlagen, \nworauf auch ein Detachement K\u00fcrassiere herbei geritten kam. Gendarmen \nversuchten die Menge zu beruhigen oder aufzul\u00f6sen, wurden aber \nverspottet oder bedroht. Als der Stadtkommandant das Ger\u00fccht h\u00f6rte, die \nStudenten h\u00e4tten sich bewaffnet, gab er Befehl an die K\u00fcrassiere zum \nAngriff. Es gelang den gepanzerten Reitern die Menge zu zerstreuen und \nwieder gab es Verhaftungen.<br>Am Tag darauf erfuhren die Milit\u00e4rs, dass\n B\u00fcrger angeblich das Zeughaus und die Hauptwache st\u00fcrmen wollten. Alle \nWachen wurden in die Kasernen zur\u00fcck berufen und die Landwehrangeh\u00f6rigen\n aus M\u00fcnchen einberufen. Durch die nun folgende starke Milit\u00e4rpr\u00e4senz \nberuhigte sich die Lage in M\u00fcnchen endg\u00fcltig wieder. Als Folgen des \nAufruhrs, welcher von den Obrigkeiten als politisch motiviert angesehen \nwurden, gelten die vor\u00fcbergehend geschlossene \nLudwig-Maximilians-Universit\u00e4t, die Ausweisung aller Studenten, die \nnicht aus M\u00fcnchen stammten, sowie der Ausschluss von Angeh\u00f6rigen der \nGermania von allen Studieng\u00e4ngen in Bayern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufstand in \nAachen war zu Beginn solidarisch engagiert und eskalierte aufgrund der \nGleichg\u00fcltigkeit und Missachtung seitens der Fabrikbesitzer. Bei manch \neinem Vorfall zwischen 1815 und 1850 entwickelten solch aufgebrachte \nMenschenmengen eine gewisse Eigendynamik, welche, nicht von Anf\u00fchrern \ngesteuert, zu kopfloser Randale und Zerst\u00f6rungen f\u00fchrte. Der Aachener \nAufstand l\u00e4sst sich in den Widerstand gegen die Industrielle Revolution \nund die Liste der Maschinenst\u00fcrme einreihen. Vielerorts wurde in dieser \nZeit randaliert, weil die Maschinen g\u00fcnstigere Waren produzierten oder \nArbeitspl\u00e4tz gef\u00e4hrdeten. Als Vorbote der Revolution von 1848 ist der \nAachener Aufstand in Verbindung zu bringen, da die hier zu Tage \ntretenden Missst\u00e4nde n\u00e4mlich weder von der Politik, noch von der \nIndustrie ernst genommen wurden. Sie verschlechterten sich sogar noch \nweiter.<br>Im Gegensatz zu anderen Aufst\u00e4nden des Jahres kam es in \nBraunschweig wirklich zu einem Palaststurm und der Vertreibung des \namtierenden Herrschers. Dies hatte nat\u00fcrlich deutliche Parallelen zu den\n Revolutionen in Frankreich. Die Monarchie an sich blieb aber intakt und\n ihre Abschaffung war auch nicht haupts\u00e4chlicher Grund f\u00fcr den Aufstand \nin Braunschweig. Der Bruder des vertriebenen Herzogs gab dem Herzogthum \neine Verfassung, welche den B\u00fcrgern Grundrechte einr\u00e4umte und blieb noch\n bis 1884 auf dem Thron.<br>In Berlin l\u00e4sst sich das Verhalten der \nAufst\u00e4ndischen im Nachhinein klar mit der ungerechten Behandlung durch \ndie Polizei begr\u00fcnden. Der Zulauf und die Solidarisierung der Handwerker\n untereinander ist nichts Ungew\u00f6hnliches. In der damaligen Zeit bildeten\n junge M\u00e4nner, resultierend aus ihrer beruflichen Zugeh\u00f6rigkeit, eine \nArt Clique. So konnte es zu handfesten Schl\u00e4gereien kommen, wenn eine \nGruppe Schneidergesellen auf eine Gruppe aus Schustergesellen oder \nStudenten traf. Andersherum solidarisierten sich die Gesellen auch \nschnell miteinander, wenn es zu Ungerechtigkeiten seitens der \nArbeitgeber oder Staatsbediensteten kam. Handwerker waren durch die \nWanderschaft oftmals weit in der Welt herumgekommen, hatten andere \npolitische Systeme kennengelernt oder freiheitliche Ideen aufgeschnappt.\n Zudem war die Hemmschwelle zur Gewalt etwas geringer bei den Gesellen, \ndenn wie schon gesagt, Schl\u00e4gereien waren keine Seltenheit.<br>Dies galt\n ebenso f\u00fcr die Studenten. Die Unruhen in M\u00fcnchen zeugen von einem hohen\n Aggressionspotential, vielleicht auch ein wenig \u00dcbersch\u00e4tzung. Es ist \nfraglich, was die Studenten dazu bewegt haben mag, den Konflikt mit dem \nMilit\u00e4r zu suchen. Waren sie davon ausgegangen, dass die Soldaten nicht \nauf sie schie\u00dfen w\u00fcrden? Mit einer Revolution hat der blutige \nZusammensto\u00df in M\u00fcnchen wohl am wenigsten von allen drei genannten \nEreignissen zu tun. Und doch wird er immer als Ereignis des Vorm\u00e4rzes \ngenannt. Letztendlich waren es auch wieder Studenten, welche 1848 zum \nSturz des bayrischen K\u00f6nigs beitrugen.<br>Von einer wirklichen \nRevolution konnte man hingegen in dem Kurf\u00fcrstentum Hessen reden. Anders\n als in den zuvor beschriebenen Konflikten wurden hier \nverfassungsrechtliche Reformen eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufst\u00e4nde in Kurhessen <\/strong><br>Nachdem\n in den Jahren 1815\/16 die Verhandlungen zwischen Kurf\u00fcrst Wilhelm I. \nund den althessischen Landst\u00e4nden \u00fcber eine moderne Verfassung \ngescheitert waren, verzichtete der Kurf\u00fcrst, entgegen den Vorgaben des \nArtikel 13 der Deutschen Bundesakte aus dem Jahr 1815, auf eine \nVerfassung und regierte formal nach der altst\u00e4ndischen Verfassung \nweiter, faktisch allerdings absolutistisch ohne die Landst\u00e4nde, da er \nsie nicht einberief. Auch der Thronwechsel 1821 zu Gunsten Kurf\u00fcrst \nWilhelm II. brachte, trotz einiger Reformans\u00e4tze in der Anfangszeit \nseiner Regierung, keine \u00c4nderung dieser Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst die \nfranz\u00f6sische Julirevolution von 1830, erzeugte den n\u00f6tigen Druck, damit \nauch das Kurf\u00fcrstentum Hessen(-Kassel) eine moderne Verfassung erhielt. \nAm Anfang standen am 6. September Unruhen in Kassel, die sich auf andere\n kurhessische St\u00e4dte und l\u00e4ndliche Regionen ausweiteten. Kurf\u00fcrst \nWilhelm II. empfing unter dem massiven Druck der Stra\u00dfe am 15. September\n eine B\u00fcrgerdeputation unter dem Kasseler B\u00fcrgermeister Karl Schomburg \nund sicherte ihr die Einberufung der Landst\u00e4nde und die Ausarbeitung \neiner Verfassung zu. Die Einberufung erfolgte am 19. September 1830. <br>Am\n 21. September 1830 traf eine Delegation aus Hanau ein, die forderte, \ndass auch die Landesteile in den Landst\u00e4nden repr\u00e4sentiert sein sollten,\n die bisher dort nicht vertreten waren \u2013 so auch die Grafschaft Hanau, \ndie \u201eerst\u201c 1736 an die damalige Landgrafschaft Hessen gelangt war. Die \nZusage gab der Kurf\u00fcrst. Die Z\u00f6lle, die Hanau besonders belasteten, und \ndie aufzuheben die Delegation ebenfalls gefordert hatte, hob er nicht \nauf. <br>Als die Delegation am 24. September mit diesem Ergebnis nach \nHanau zur\u00fcckkehrte, brach auch hier die Revolution aus. Unter dem Druck \nder Aufst\u00e4nde im ganzen Land gab der Kurf\u00fcrst schlie\u00dflich nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Der\n Landtag trat am 16. Oktober zusammen. Anfang Oktober 1830 legten die \nbeauftragten Minister den Landst\u00e4nden den ersten Entwurf einer \nVerfassung vor, die so genannte Landesherrliche Proposition. Diese \nlehnte sich stark an den Entwurf von 1816 an. Zu der seitens der \nRegierung erhofften schnellen Annahme der Proposition kam es aber nicht.\n Vielmehr wollten die Landst\u00e4nde dar\u00fcber beraten.<br>Bei den \nDiskussionen hatte die \u201ekurf\u00fcrstliche Partei\u201c innerhalb der St\u00e4nde keine\n F\u00fcrsprecher, wurde dort aber durch die zwei Landtagskommissare \nvertreten. Der Adel, vier Standesherren und die Ritterschaft, entsandten\n zwar insgesamt 7 Vertreter in den Landtag, konnten ihre \nStandes-Interessen aber nur sehr begrenzt in der Verfassung verankern, \nda ihre Privilegien von allen anderen Beteiligten abgelehnt wurden. \nNicht einmal die sonst zu dieser Zeit \u00fcbliche, im Wesentlichen f\u00fcr den \nAdel reservierte Zweite Kammer konnten sie durchsetzen. Die Vertreter \nder Bauern waren, aufgrund des Wahlrechtes, vor allem Gro\u00dfbauern und \nnichtadelige Gutsbesitzer. Deren Interessen stimmten weitgehend mit \ndenen des B\u00fcrgertums \u00fcberein. So konnte das B\u00fcrgertum den Inhalt der \nVerfassung im Wesentlichen bestimmen was dazu f\u00fchrte, dass der Inhalt \nder Verfassung sehr liberal und fortschrittlich ausfiel.<br>Beide Seiten\n dr\u00e4ngten Ende des Jahres auf einen Verhandlungsabschluss. Der Kurf\u00fcrst \ntat dies aus rein privaten Gr\u00fcnden, weil er glaubte, dann seine M\u00e4tresse\n wieder nach Kassel holen zu k\u00f6nnen. Das b\u00fcrgerliche Lager f\u00fcrchtete \neine Zuspitzung der Unruhen, weil die unteren gesellschaftlichen \nSchichten weiterhin Druck aus\u00fcbten und eine weitere Eskalation \nvermutlich den Einmarsch von Bundestruppen nach sich gezogen h\u00e4tte (die \nsogenannte Bundesexekution), was sowohl der Kurf\u00fcrst wie auch die \nB\u00fcrgerschaft vermeiden wollten. So kam ein Kompromiss zustande \u00fcber den \nnoch bis ins n\u00e4chste Jahr beraten wurde\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als in Frankreich 1830 die Revolution gegen Karl X. ausbrach wurde dar\u00fcber auch in den L\u00e4ndern des Deutschen Bundes berichtet. Die Karlsbader Beschl\u00fcsse hatten die Verleger und Herausgeber fest im Blick. 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