{"id":907,"date":"2019-10-21T08:30:14","date_gmt":"2019-10-21T08:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=907"},"modified":"2019-08-04T11:16:40","modified_gmt":"2019-08-04T11:16:40","slug":"1832-das-hambacher-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=907","title":{"rendered":"1832 Das Hambacher Fest"},"content":{"rendered":"\n<p>\nWohl kein Ereignis ist so mit dem Vorm\u00e4rz verkn\u00fcpft, wie das Hambacher \nFest. Hier vereinten sich zum ersten Mal die politischen und \nliterarischen K\u00f6pfe, welche den Weg f\u00fcr die Revolution bereiteten und \nwelche den Gedanken eines vereinten Deutschlands offen diskutierten und \ndessen Umsetzung einforderten. Schauplatz war die bayrische Rheinpfalz, \nwelche durch den Norden Badens von bayrischem Territorium abgeschnitten \nwar. <br>Die Hauptakteure des Hambacher Festes, die Zeitungsverleger \nPhilipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, waren wie \nviele andere freidenkende Herausgeber von der Pressezensur in Folge der \nKarlsbader Beschl\u00fcsse betroffen. Bayrische Beh\u00f6rden beobachteten die \nZeitungen der beiden Rheinpf\u00e4lzer und schikanierten sie. Zu Beginn des \nJahres 1832 wurde Wirths Druckerpresse von den Beh\u00f6rden versiegelt, da \ner seine Zeitung trotz fehlender Genehmigung weiterhin druckte. Auch \nSiebenpfeiffers Druckerei wurde beh\u00f6rdlich stillgelegt. <br>Ein Freund \nWirths war der bayrische Abgeordnete Friedrich Sch\u00fcler, welcher als \nDemokrat galt und die Pressefreiheit diskutierte. Mit ihm zusammen \ngr\u00fcndete man einen Verein, der half die Druckverbote zu umgehen, da die \nZeitung von Wirth nun als Vereinsorgan fungieren konnte. F\u00fcrst \nMetternich, der von dem deutschpatriotischen Verein Kunde erlangte, \ndr\u00e4ngte daraufhin die bayrische Regierung, etwas zu unternehmen und so \nwurde im M\u00e4rz 1832 ein Gesetz erlassen, welches Vereine allgemein verbot\n sowie die Zeitung Wirths. Der Verleger selbst wurde verhaftet. Jedoch \nwurde er in dem anschlie\u00dfenden Prozess freigesprochen. Wirths Freispruch\n bewirkte zudem, dass das erlassene Gesetz zum Vereinsverbot richterlich\n gepr\u00fcft wurde und als ungerecht erkannt aufgehoben werden musste, was \nWirths und Sch\u00fclers deutschpatriotischem und republikanischem Verein \ngro\u00dfen Zulauf verschaffte. <br>Von Siebenpfeiffer soll dann der \nVorschlag gekommen sein, alle deutschen Demokraten und Oppositionelle zu\n einer Art Nationalfest der Deutschen einzuladen. Politische \nDemonstrationen und Versammlungen waren damals verboten, daher \ndeklarierte man die anstehende Versammlung als \u201eFest\u201c bzw. \u201eFestessen\u201c. \nDie Wahl des Ortes f\u00fcr das Fest fiel auf die Schlossruine bei Hambach \nund im Mai sollte es stattfinden.<br>Am 20. April 1832 erschien die \nEinladung zum \u201eNationalfest der Deutschen\u201c in vielen Zeitungen im \ndeutschen Bund. Sofort reagierte die bayrische Regierung mit einem \nVerbot des Festes und erlie\u00df eine Verordnung, welche die Reise in die \numliegenden St\u00e4dte begrenzte und der Polizei Sonderrechte einr\u00e4umte, wie\n zum Beispiel das Schlie\u00dfen von Hotels. Zudem wurden Versammlungen \nverboten, sowie das Halten von Reden an \u00f6ffentlichen Orten. Wieder \nscheiterte die Regierung an den eigenen Gesetzen und musste nach einem \nRichterspruch alle Verbote zur\u00fccknehmen, lie\u00df jedoch das Verbot f\u00fcr das \nFest bestehen. <br>Um den 26. Mai herum trafen die meisten \nFestteilnehmer, M\u00e4nner wie Frauen, in den St\u00e4dten um das Hambacher \nSchloss ein. Die Bewohner verkauften schwarz-rot-goldene Kokarden und \nFahnen an die G\u00e4ste, sowie Flugbl\u00e4tter mit Liedtexten. Das Fest wurde am\n Abend mit dem L\u00e4uten der Glocken, Freudenfeuern und dem Abfeuern von \nGesch\u00fctzen begonnen. \u00dcberall gab es Musik und Tanz. Im Neust\u00e4dter \nSchie\u00dfhaus versammelten sich die journalistischen und politischen K\u00f6pfe \ndes Festes. Man sprach von den \u201egro\u00dfen Interessen des gemeinsamen \nVaterlandes\u201c. <br>Am n\u00e4chsten Morgen um 8 Uhr begann der Zug zum \nSchloss. In der Menge wurden sowohl eine gro\u00dfe polnische wie auch eine \ndeutsche Fahne mitgef\u00fchrt. Von Neustadt an der Haardt aus zogen die \nTeilnehmer, unter absingen mehrerer patriotischer Lieder, nach der \nHambacher Schlossruine ab. Etwa 30.000 Teilnehmer aus allen \nBev\u00f6lkerungsschichten und aus zahlreichen L\u00e4ndern sammelten sich gegen \nca. 11 Uhr auf der Schlossruine. Im Schloss wurde die polnische Fahne \ngehisst und auf den h\u00f6chsten Zinnen die deutsche Trikolore. <br>Es \nwurden nun politische wie patriotische Reden gehalten. Viele ereiferten \nsich f\u00fcr ein gesamtdeutsches Vaterland, andere beschworen die \nSolidarit\u00e4t mit den freiheitsuchenden Polen und revolution\u00e4ren \nFranzosen. Die Hauptforderungen waren nationale Einheit und Freiheit, \nbesonders die Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und Meinungsfreiheit.\n Au\u00dferdem forderte man B\u00fcrgerrechte, die \u201eNeuordnung Europas auf der \nGrundlage gleichberechtigter V\u00f6lker\u201c, Volkssouver\u00e4nit\u00e4t sowie religi\u00f6se \nToleranz. Man redete bis in den Abend und k\u00fcndigte f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag \neine weitere Veranstaltung im Schie\u00dfhaus an. Dort wollten die \nVerantwortlichen das weitere Vorgehen besprechen. In der Nacht zogen \nStudenten friedlich in Fackelz\u00fcgen singend durch die Stra\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa\n 500 B\u00fcrger und Studenten trafen sich am 28. Mai im Schie\u00dfhaus. Es gab \nRufe nach Wahlen von Vertrauensm\u00e4nnern, welche eine provisorische \nRegierung bilden und welche dann als Ersatz des reaktion\u00e4ren Bundestages\n gelten sollte. Tats\u00e4chlich wurde eine solche Versammlung gew\u00e4hlt und \nder Abgeordnete Sch\u00fcler leitete sie. Man einigte sich in der Versammlung\n darauf, an verschiedenen Orten in ganz Deutschland solche Feste zu \norganisieren. Manch ein Vertrauensmann forderte den bewaffneten Kampf \ngegen die F\u00fcrsten, um Deutschland zu einen und die geforderten \nFreiheiten durchzusetzen. Jedoch verglich man den Einsatz von Waffen mit\n dem angeborenen Verhalten der F\u00fcrsten, weswegen man sich gegen ihn \nentschied. \u00dcber die Diskussion, ob die gew\u00e4hlte Versammlung \u00fcberhaupt \ndas Recht habe, eine deutsche Revolution zu beginnen, zerstritten sich \ndie Beteiligten und gingen schlie\u00dflich uneinig auseinander; reisten \ngr\u00f6\u00dftenteils ab. Zwar kamen auch an den folgenden Tagen noch viele zum \nSchloss, mit dem Einholen der Fahnen und deren feierlichem Zug zur\u00fcck \nnach Neustadt endete jedoch das Hambacher Fest ohne Einigung auf ein \nweiteres Vorgehen am 01. Juni 1832. In fast allen deutschen Zeitungen \nerschienen ausf\u00fchrliche Berichte \u00fcber das Fest und seine Reden. In \nvielen Orten wurden daraufhin Freiheitsb\u00e4ume aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl \ndas Hambacher Fest friedlich vonstattengegangen war, gab es kleinere \nAufst\u00e4nde im Umland wegen politischer oder sozialer Missst\u00e4nde. In St. \nWendel gab es einen gr\u00f6\u00dferen Aufruhr, welcher durch den Einmarsch eines \nBataillons preu\u00dfischer Infanterie und der Verh\u00e4ngung des \nAusnahmezustandes unterdr\u00fcckt werden konnte. F\u00fcrst Metternich, der \noberste Vertreter des konservativen Lagers, nannte das Hambacher Fest \neinen Skandal und Exzess. Einige F\u00fcrsten f\u00fcrchteten Anarchie und \nB\u00fcrgerkrieg. Die Reaktion der Obrigkeit war vermehrte Repression \ngegen\u00fcber Oppositionellen, wie nat\u00fcrlich auch die direkte Verfolgung der\n Teilnehmer durch die Justiz. Viele wurden freigesprochen aber sp\u00e4ter \nunter anderem Vorwand erneut angeklagt, etwa wegen Beleidigung oder \nanderer, eher geringf\u00fcgigeren Delikten, welche schlie\u00dflich zu den \ngeforderten Verhaftungen und Strafen f\u00fchrten. Viele Teilnehmer mussten \nDeutschland den R\u00fccken kehren, so auch die beiden Hauptakteure \nSiebenpfeifer und Wirth. Ihr Gedanke von einem vereinten Deutschland \nblieb jedoch lebendig und reifte langsam. Fast direkt im Zusammenhang \nmit den Forderungen auf dem Hambacher Fest stehen die Ereignisse in \nFrankfurt am Main im folgenden Jahr.\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl kein Ereignis ist so mit dem Vorm\u00e4rz verkn\u00fcpft, wie das Hambacher Fest. Hier vereinten sich zum ersten Mal die politischen und literarischen K\u00f6pfe, welche den Weg f\u00fcr die Revolution bereiteten und welche den Gedanken eines vereinten Deutschlands offen diskutierten und dessen Umsetzung einforderten. 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