{"id":939,"date":"2020-02-03T08:30:55","date_gmt":"2020-02-03T08:30:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=939"},"modified":"2019-08-04T11:03:33","modified_gmt":"2019-08-04T11:03:33","slug":"die-rastatter-meuterei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolution1848-1849.eu\/?p=939","title":{"rendered":"Die Rastatter Meuterei"},"content":{"rendered":"\n<p>\nIn Baden waren auch viele Stimmen laut geworden, die einen Kampf f\u00fcr die\n Reichsverfassung forderten. Als bekannt wurde, dass in Dresden gek\u00e4mpft\n wurde, kam es auch in Baden zu Tumulten und Versammlungen. In Rastatt, \neiner der gr\u00f6\u00dften Garnisonen des Landes, kam es auch zu Aufruhr, an dem \nauch Angeh\u00f6rige der Garnison beteiligt waren. Am 9. Mai, als die \nNiederlage der Dresdner bekannt wurde, versammelten sich Soldaten und \nUnteroffiziere auf dem Exerzierplatz der Festung. <br>Es kam zu \nVerbr\u00fcderungsszenen zwischen Linientruppen und Rastatter B\u00fcrgerwehr. Die\n milit\u00e4rische F\u00fchrung hatte erfahren, dass es zu diesem Treffen kommen \nsollte und  die Soldaten aufgefordert, Beschwerden auf dem Dienstwege \nvorzubringen. Auch hatte sie die Soldaten dazu ermahnt, sich nicht an \nder Versammlung zu beteiligen, sie hatte aber kein Verbot ausgesprochen.\n <\/p>\n\n\n\n<p>Am 10. Mai fand in der Gromer&#8217;schen Bierbrauerei wiederum eine \nSoldatenversammlung statt, zu der die Artilleristen in geschlossener \nFormation mit gezogenem S\u00e4bel und schwarz-rot-goldener Fahne auszogen. \nBei der Versammlung schwor man sich auf die Reichsverfassung ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\n 11. Mai eskalierte die Situation. Morgens wurde der Artillerist Stark \nvon Hauptmann von Renz in das Arrestlokal des 1. badischen \nInfanterieregiments in der Leopoldskaserne eingesperrt, weil er auf der \nSoldatenversammlung aufr\u00fchrerische Reden gef\u00fchrt habe. Soldaten des 1. \nund 3. Infanterieregiments, Artilleristen, sowie Festungsarbeiter \nversammelten sich gegen 10 Uhr vor der Kaserne und forderten die \nFreilassung von Stark. Die Offiziere lie\u00dfen Generalmarsch schlagen, dem \njedoch nur wenige Mannschaften Folge leisteten. Die Versuche mehrerer \nOffiziere, die Mannschaften zu beruhigen oder durch Drohungen die \nOrdnung wiederherzustellen, hatten keinen Erfolg, sondern f\u00fchrten sogar \nzu Handgreiflichkeiten gegen den Regimentsadjutanten von G\u00f6ler. Die \nherbeigerufene Kasernenwache weigerte sich, gegen ihre Kameraden \nvorzugehen. Schlie\u00dflich wurde Stark, der auf einer offiziellen \nGenehmigung durch seinen Kompanief\u00fchrer bestand, freigelassen.<br>Um 13 \nUhr wurde wieder Generalmarsch geschlagen, und wieder folgten die \nMannschaften nicht. Beim 3. Infanterieregiment bedr\u00e4ngten Mannschaften \nden Gouverneur der Festung, Wilhelm von Clo\u00dfmann, und andere Offiziere, \ndie darauf mit gezogenem S\u00e4bel die Unbotm\u00e4\u00dfigen aus der Kaserne trieben.\n Ein Sturm der Wohnung des Kommandeurs des 3. Infanterieregiments, \nOberst Pierron, wurde nur durch Zureden des Gefreiten Haas, eines \nF\u00fchrers des Soldatenklubs, verhindert. <br>Gegen 18 Uhr sammelten sich \nnochmals Soldaten, B\u00fcrger und Festungsarbeiter vor der Leopoldskaserne. \nEs ging nun um die Freilassung des Korporals Kehlhofer, der wegen \nInsubordination und unerlaubter Abwesenheit von der Truppe inhaftiert \nwurde. Oberst Hoffmann wurde in dem Tumult durch einen Steinwurf \nverletzt und Oberst Pierron konnte sich nur zu Pferd durch Flucht \nretten. Die Unruhen breiteten sich nun in der ganzen Stadt aus, und die \nOffiziere wurden in ihren Wohnungen bedroht. Schlie\u00dflich versuchte der \nGouverneur, mit einer Schwadron Dragoner die Massen zu zerstreuen. Nach \nanf\u00e4nglichem Erfolg versuchte er, mit den Aufr\u00fchrern zu reden, wobei er \njedoch keinen Erfolg hatte und die Kontrolle \u00fcber seine Dragoner verlor.\n Wieder wurden Steine und Ziegel geworfen, und der Gouverneur wurde \nverletzt, die Dragoner verweigerten nun gr\u00f6\u00dftenteils den Befehl. \nEinzelne Offiziere wurden auf der Stra\u00dfe bedroht, und die Wohnung von \nOberst Pierron, der sich zuvor noch in eine angrenzende Wohnung retten \nkonnte, wurde gest\u00fcrmt. Das Milit\u00e4r war nun ohne F\u00fchrer, da von Clo\u00dfmann\n und Hoffmann verwundet und Pierron unauffindbar war. Die Hauptleute des\n kleinen \u00f6sterreichischen Kontingents in der Festung hielten ihre Leute \nzusammen und blieben zur\u00fcckgezogen in der Festung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die seit dem \nStruve-Putsch vom September 1848 gefangenen Revolution\u00e4re Gustav Struve \nund Karl Blind wurden in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai von Rastatt \nnach Bruchsal gebracht. Am 12. Mai kam es sehr fr\u00fch in der Stadt zu \nweiteren Ausschreitungen gegen Offiziere und einen regierungstreuen \nKorporal. Gegen 8 Uhr traf der badische Kriegsminister Friedrich \nHoffmann von Karlsruhe kommend in der Festung ein. Etwa gleichzeitig mit\n ihm trafen drei Schwadronen des 1. badischen Dragonerregiments unter \nOberst Heinrich Wilhelm von Hinckeldey mit einer Artillerieabteilung \nein. General Hoffmann besuchte die einzelnen Truppenteile und forderte \ndie Mannschaften auf, ihre Beschwerden vorzubringen. Nebst der Forderung\n nach h\u00f6herem Sold wurde auch die Teilnahme von Soldatenvertretern an \nder f\u00fcr den 13. Mai in Offenburg geplanten Volksversammlung gefordert, \nwas zugestanden wurde. Die Solderh\u00f6hung war noch durch die badische \nSt\u00e4ndeversammlung blockiert. Es trat zun\u00e4chst eine gewisse Beruhigung \nein, die aber abends wieder durch Ger\u00fcchte \u00fcber die Meutereien an \nanderen Standorten und angeblich anr\u00fcckende preu\u00dfische Truppen in \nnunmehr bewaffnete Tumulte umschlug. General Hoffmann zog das \nDragonerregiment auf dem Schlossgartenplatz zusammen. Den Aufr\u00fchrern \ngelang es, sich der Artillerieabteilung des Generals zu bem\u00e4chtigen oder\n die Artilleristen f\u00fcr sich zu gewinnen. Man bedrohte nun die Dragoner \neinerseits mit der Artillerie und rief sie andererseits zur Verbr\u00fcderung\n auf. So l\u00f6ste sich auch das Dragonerregiment auf, aber General Hoffmann\n konnte sich mit einem Teil dieses Regiments und der Mehrzahl der \nOffiziere aus Rastatt retten. Die Meuterer begannen nun eine Jagd auf \ndie Offiziere, wobei auch B\u00fcrgerh\u00e4user durchsucht wurden. Dies \nveranlasste nun die Rastatter B\u00fcrgerwehr einzugreifen, um die Sicherheit\n der B\u00fcrger zu gew\u00e4hren. Gemeinsamen Patrouillen von B\u00fcrgerwehr und \nrebellierenden Truppen gelang es, wieder eine gewisse Rechtssicherheit \nherzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 13. Mai fuhren die gew\u00e4hlten Delegierten der \nRastatter Soldaten zur Volksversammlung nach Offenburg. In Rastatt wurde\n ein Sicherheitsausschuss gebildet. \n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Baden waren auch viele Stimmen laut geworden, die einen Kampf f\u00fcr die Reichsverfassung forderten. Als bekannt wurde, dass in Dresden gek\u00e4mpft wurde, kam es auch in Baden zu Tumulten und Versammlungen. 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