Der Elberfelder Aufstand (Teil 1)

In Elberfeld stießen die Ablehnung der Reichsverfassung, die Entwaffnung der Berliner Bürgerwehr und die Einsetzung einer reaktionären Regierung unter dem Minister Brandenburg durch den König auf Empörung. In Elberfeld spielte der „politische Club“, der dem demokratischen Centralmärzverein angehörte, eine wichtige Rolle. Einer vom „politischen Klub“ veranstalteten Volksversammlung folgten am 29. April 1849 über tausend Menschen, die eine Protestresolution verabschiedeten. Am folgenden Tag wurde die Resolution in Düsseldorf dem Regierungspräsidium übergeben.

Am 1. Mai 1849 beriet der Gemeinderat über die Lage. Rechtsanwalt Dr. Hermann Höchster kam mit seinem Antrag durch, die Auflösung der zweiten Kammer zu kritisieren. Mit knapper Mehrheit von 12 zu 11 Stimmen wurde ein Bekenntnis zur Reichsverfassung zwar abgelehnt, jedoch bereits die Tatsache dass der Gemeinderat überhaupt über allgemeinpolitische Fragen diskutierte brachte ihm die Missbilligung durch den kommissarischen Regierungspräsidenten Wilhelm von Spankeren ein.

Am 3. Mai berief ein neu gegründetes Landwehrkomitee die Angehörigen der Landwehr aus Elberfeld zu einer Versammlung ein. Immerhin 153 Landwehrsoldaten erklärten die Regierung unter Friedrich Wilhelm von Brandenburg für volksfeindlich. „Unterzeichnete Landwehrmänner Elberfelds erkennen und erklären, dass das der Krone umgebende Ministerium als ein volksfeindliches zu betrachten ist und halten sich der absoluten Krone entbunden. Dagegen erklären sich dieselben mit der von der Frankfurter Nationalversammlung festgelegten Verfassung einverstanden und sind entschlossen, die Einführung dieser Verfassung für Deutschland mit ihrer Person und Ehre zu bewerkstelligen.“

Nachdem am 5. Mai die ersten Einberufungsbefehle ergingen, rief das Landwehrkomitee die Landwehrangehörigen der Stadt und der benachbarten Gemeinden mit mäßigem Erfolg zum Widerstand auf. Die Landwehrmänner aus der Umgebung distanzierten sich ausdrücklich von den anarchistischen Bestrebungen, aber auch die meisten Elberfelder Landwehrmänner folgten der Einberufung nach Essen. Gleichwohl befürchtete der kommissarische Landrat Carl Friedrich Melbeck Unruhen und forderte am 7. Mai Militär an. Am selben Tag riefen die aufständischen Landwehrmänner aus Elberfeld alle Landwehrangehörigen des ehemaligen Großherzogtums Berg und der Grafschaft Mark auf, gegen die ungesetzlichen Maßnahmen der Regierung notfalls mit Waffengewalt vorzugehen.

Am 9. Mai 1849 rückten gegen den Willen von Oberbürgermeister Johann Adolf von Carnap tatsächlich reguläre Truppen in Elberfeld ein. Erst daraufhin begann man mit dem Bau von Barrikaden. Der Versuch des Militärs, die Barrikaden ohne Waffengewalt zu überwinden und die Mitglieder des Landwehrkomitees festzunehmen, scheiterte. Die Truppen zogen sich daraufhin zurück und traten zunächst auch nicht in Aktion, als eine aufgebrachte Menge das Haus von Bürgermeister Carnap beschädigte und zahlreiche Gefangene aus dem Gefängnis befreite. Am Abend kam es dann zu Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Personen starben. Am nächsten Tag zogen die Truppen ab, vermutlich um die Unruhen in Düsseldorf zu bekämpfen. Auch der Oberbürgermeister und führende Beamte verließen die Stadt.

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