Die Rastatter Meuterei

In Baden waren auch viele Stimmen laut geworden, die einen Kampf für die Reichsverfassung forderten. Als bekannt wurde, dass in Dresden gekämpft wurde, kam es auch in Baden zu Tumulten und Versammlungen. In Rastatt, einer der größten Garnisonen des Landes, kam es auch zu Aufruhr, an dem auch Angehörige der Garnison beteiligt waren. Am 9. Mai, als die Niederlage der Dresdner bekannt wurde, versammelten sich Soldaten und Unteroffiziere auf dem Exerzierplatz der Festung.
Es kam zu Verbrüderungsszenen zwischen Linientruppen und Rastatter Bürgerwehr. Die militärische Führung hatte erfahren, dass es zu diesem Treffen kommen sollte und die Soldaten aufgefordert, Beschwerden auf dem Dienstwege vorzubringen. Auch hatte sie die Soldaten dazu ermahnt, sich nicht an der Versammlung zu beteiligen, sie hatte aber kein Verbot ausgesprochen.

Am 10. Mai fand in der Gromer’schen Bierbrauerei wiederum eine Soldatenversammlung statt, zu der die Artilleristen in geschlossener Formation mit gezogenem Säbel und schwarz-rot-goldener Fahne auszogen. Bei der Versammlung schwor man sich auf die Reichsverfassung ein.

Am 11. Mai eskalierte die Situation. Morgens wurde der Artillerist Stark von Hauptmann von Renz in das Arrestlokal des 1. badischen Infanterieregiments in der Leopoldskaserne eingesperrt, weil er auf der Soldatenversammlung aufrührerische Reden geführt habe. Soldaten des 1. und 3. Infanterieregiments, Artilleristen, sowie Festungsarbeiter versammelten sich gegen 10 Uhr vor der Kaserne und forderten die Freilassung von Stark. Die Offiziere ließen Generalmarsch schlagen, dem jedoch nur wenige Mannschaften Folge leisteten. Die Versuche mehrerer Offiziere, die Mannschaften zu beruhigen oder durch Drohungen die Ordnung wiederherzustellen, hatten keinen Erfolg, sondern führten sogar zu Handgreiflichkeiten gegen den Regimentsadjutanten von Göler. Die herbeigerufene Kasernenwache weigerte sich, gegen ihre Kameraden vorzugehen. Schließlich wurde Stark, der auf einer offiziellen Genehmigung durch seinen Kompanieführer bestand, freigelassen.
Um 13 Uhr wurde wieder Generalmarsch geschlagen, und wieder folgten die Mannschaften nicht. Beim 3. Infanterieregiment bedrängten Mannschaften den Gouverneur der Festung, Wilhelm von Cloßmann, und andere Offiziere, die darauf mit gezogenem Säbel die Unbotmäßigen aus der Kaserne trieben. Ein Sturm der Wohnung des Kommandeurs des 3. Infanterieregiments, Oberst Pierron, wurde nur durch Zureden des Gefreiten Haas, eines Führers des Soldatenklubs, verhindert.
Gegen 18 Uhr sammelten sich nochmals Soldaten, Bürger und Festungsarbeiter vor der Leopoldskaserne. Es ging nun um die Freilassung des Korporals Kehlhofer, der wegen Insubordination und unerlaubter Abwesenheit von der Truppe inhaftiert wurde. Oberst Hoffmann wurde in dem Tumult durch einen Steinwurf verletzt und Oberst Pierron konnte sich nur zu Pferd durch Flucht retten. Die Unruhen breiteten sich nun in der ganzen Stadt aus, und die Offiziere wurden in ihren Wohnungen bedroht. Schließlich versuchte der Gouverneur, mit einer Schwadron Dragoner die Massen zu zerstreuen. Nach anfänglichem Erfolg versuchte er, mit den Aufrührern zu reden, wobei er jedoch keinen Erfolg hatte und die Kontrolle über seine Dragoner verlor. Wieder wurden Steine und Ziegel geworfen, und der Gouverneur wurde verletzt, die Dragoner verweigerten nun größtenteils den Befehl. Einzelne Offiziere wurden auf der Straße bedroht, und die Wohnung von Oberst Pierron, der sich zuvor noch in eine angrenzende Wohnung retten konnte, wurde gestürmt. Das Militär war nun ohne Führer, da von Cloßmann und Hoffmann verwundet und Pierron unauffindbar war. Die Hauptleute des kleinen österreichischen Kontingents in der Festung hielten ihre Leute zusammen und blieben zurückgezogen in der Festung.

Die seit dem Struve-Putsch vom September 1848 gefangenen Revolutionäre Gustav Struve und Karl Blind wurden in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai von Rastatt nach Bruchsal gebracht. Am 12. Mai kam es sehr früh in der Stadt zu weiteren Ausschreitungen gegen Offiziere und einen regierungstreuen Korporal. Gegen 8 Uhr traf der badische Kriegsminister Friedrich Hoffmann von Karlsruhe kommend in der Festung ein. Etwa gleichzeitig mit ihm trafen drei Schwadronen des 1. badischen Dragonerregiments unter Oberst Heinrich Wilhelm von Hinckeldey mit einer Artillerieabteilung ein. General Hoffmann besuchte die einzelnen Truppenteile und forderte die Mannschaften auf, ihre Beschwerden vorzubringen. Nebst der Forderung nach höherem Sold wurde auch die Teilnahme von Soldatenvertretern an der für den 13. Mai in Offenburg geplanten Volksversammlung gefordert, was zugestanden wurde. Die Solderhöhung war noch durch die badische Ständeversammlung blockiert. Es trat zunächst eine gewisse Beruhigung ein, die aber abends wieder durch Gerüchte über die Meutereien an anderen Standorten und angeblich anrückende preußische Truppen in nunmehr bewaffnete Tumulte umschlug. General Hoffmann zog das Dragonerregiment auf dem Schlossgartenplatz zusammen. Den Aufrührern gelang es, sich der Artillerieabteilung des Generals zu bemächtigen oder die Artilleristen für sich zu gewinnen. Man bedrohte nun die Dragoner einerseits mit der Artillerie und rief sie andererseits zur Verbrüderung auf. So löste sich auch das Dragonerregiment auf, aber General Hoffmann konnte sich mit einem Teil dieses Regiments und der Mehrzahl der Offiziere aus Rastatt retten. Die Meuterer begannen nun eine Jagd auf die Offiziere, wobei auch Bürgerhäuser durchsucht wurden. Dies veranlasste nun die Rastatter Bürgerwehr einzugreifen, um die Sicherheit der Bürger zu gewähren. Gemeinsamen Patrouillen von Bürgerwehr und rebellierenden Truppen gelang es, wieder eine gewisse Rechtssicherheit herzustellen.

Am 13. Mai fuhren die gewählten Delegierten der Rastatter Soldaten zur Volksversammlung nach Offenburg. In Rastatt wurde ein Sicherheitsausschuss gebildet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.